Deutsche Reichstagsakten, Reichsversammlungen 1556 – 1662 Der Reichstag zu Regensburg 1594 bearbeitet von Josef Leeb

Billigung der Antwort der Reichsstände mit der Prorogation der HAA an einen RDT. Beratung von Einwänden gegen den DAb 1586 und eines aktuellen Memoriales des SR zur Reichsjustiz beim künftigen RDT. Entscheidung strittiger Sessionen nach Maßgabe der RAbb 1576 und 1582.

Datum: Regensburg, 3. 8. 1594. Einer Ständeabordnung1 übergeben am 3. 8.2 und im RR verlesen am 4. 8. 15943. Von den Reichsständen kopiert am 4. 8.

HHStA Wien, MEA RTA 91, fol. 454–455’ (Or. mit aufgedr. ksl. Siegel. Dorsv.:Den anwesenden churfursten, fursten und stendt, auch der abwesenden räth, pottschafften und gesandten zuezustellen. Von anderer Hd.:Der ksl. Mt. erclerung in puncto iustitiae, monetae, moderationis, sessionis. Praesentatum Regenspurg per imperatorem 3. Augusti anno 1594. Abgelesen in gemeinem rath 4. Augusti anno 94. Von anderer Hd.:Lectum Regenspurg, den 4. Augusti anno 94.) = Textvorlage. HHStA Wien, RK RTA 65 Fasz. 2, fol. 141–144 (Konz. Überschr.:Beschluß der ksl. Mt. in articulo 3, 4, 5 et 6 propositionis. 3. Augusti 94.) = B. GStA PK Berlin, I. HA GR Rep. 10 Nr. Vv, fol. 517–518’ (Kop. Dorsv.:Resolution ksl. Mt. auf den dritten, 4., 5. und 6. punct der proposition. Praesentatum Regenspurg, den 3. Augusti per imperatorem. Lectum den 25. Julii [4. 8.]anno 94.) = [C]. HStA München, KÄA 3230, fol. 243 f. (Kop.). HStA Dresden, GA Loc. 10203/3, fol. 206 f., 209’ (Kop.). LAV NRW R, JB II 2344, fol. 424 f. (Kop.).

/454/ Ks. hat vernommen, was die Reichsstände im Anschluss an die Erledigung des 1. HA (Türkenhilfe) und 2. HA (Landfriede und Niederlande) in den ubrigen artickeln bedacht. Demnach dann ir ksl. Mt. befinden, das allerdings denen sachen mit sonderbarem vleiß und wol furgesonnen, so lassen sy es ires thails auch dabei beruhen. Unnd achten, nichts mehr ubrig sein, dann das berurte punct verglichner massen in abschid bracht unnd vorters von menigclich treulich volzogen werden.

So wollen ir ksl. Mt. auch nit zweifeln, es werden zu bestimbtem gemainen deputation tag churfursten, fursten unnd stendt, wie ingleichem ir ksl. Mt. zuthuen gedencken, die irigen dermassen abfertigen, das an gueter, /454’/ schließlicher verrichtung kain mangel erscheine. Was aber beym puncto iusticiae in specie wider den in anno sechsundachzig aufm deputationtaga zu Wormbs ergangenen abschidt von ettlichen stenden fur beschwer einkommen4 unnd darauf zubedencken, ist diß ortts zuerholen unnotig, sintemal dieselbe beschwerungen ire ksl. Mt. dem herrn ertzbischoven und churfursten zu Maintz als ertzcantzlern jederzeit communicirt und one zweifel noch bey irer kfl. Gn. cantzley zufinden. Zu welchem endt erst neulicher tag widerumb irer Mt.b im namen und von wegen der erbarn Reichs stett ein erinnerung ubergeben worden5, die auch hiemit beygelegt ist, darauf bey angeregtem deputation tag die notturfft und gebur haben zuberathschlagenc unnd in acht zunemmen.

In den strittigen session sachen wissen sich ir Mt. gleichwol anyetzo so aigentlich nit zuerinnern, dwas etwa darunter zum beschluß kommen sein mocht–d,6. Da aber ain oder der ander standt solches bey irer ksl. /455/ Mt. vorbringen und umb eröffnung geburlichen beschaidts ansuechen wurdt, wollen ire Mt. vermög hievoriger unnd sonderlich anno sechsundsibentzig unnd zwayundachzige ergangenen Reichs abschidt7 fsich aller gepur erweisen–f.

Schlussformel. Signiert und besiegelt zu Regensburg, 3. 8. 1594. Unterzeichnet von J. W. Freymon und A. Hannewald.

Anmerkungen

1
 Um Unklarheiten bezüglich der Teilnahme der Wetterauer oder der schwäbischen Gff. an reichsständischen Delegationen für die Übergabe und Entgegennahme von Resolutionen auszuräumen, vereinbarten beide Grafenkollegien beim RT 1594 in einem Vergleich (o. D., Eintrag eingefügt in Wett. Gff., unfol., nach dem Protokoll für 3. 8. {24. 7.}, dem Datum obiger Replik): Da einerseits aufgrund des alternierenden Vorrangs beider Kollegien oftmals nicht klar ist, welches in die Delegation berufen werden soll, und andererseits die Resolutionen zu mehreren HAA wie in dieser Replik in einem Aktenstück zusammengefasst sind und deshalb nicht festzulegen ist, welches Kollegium mitwirkt, soll künftig jeweils je ein Verordneter beider Kollegien teilnehmen und lediglich der Vorrang dabei wechseln: da heutt einer vorgangen, das des andern mals der ander vorgehensoll. Mit dieser Regelung haben bei den Resolutionen zum 2. HA sowie zum 3.–6. HA jeweils Gesandte der Wetterauer und der schwäbischen Gff. zu gleichan der Übergabe und Entgegennahme mitgewirkt.
2
 Kurmainz, unfol. [Nr. 44, Anm. g].
3
 Kursachsen, fol. 473’ f. [Nr. 45].
a
 aufm deputationtag] In B Hinzufügung am Rand.
4
 Vgl. Anm. 7 bei Nr. 40 und Anm. 5 bei Nr. 305.
b
 irer Mt.] In B Hinzufügung am Rand.
5
 Nr. 305.
c
 zuberathschlagen] In B korr. aus: zu consultiren.
d
–d was … mocht] In B korr. aus: dz ettliche zum beschluß kommen sein solten.
6
 Bezugnahme auf die Bitte in der Antwort der Reichsstände, einige zum Abschluss gebrachte Sessionskonflikte zu entscheiden [Nr. 259, fol. 139’].
e
 unnd zwayundachzig] In B nachträgliche Einfügung.
7
 Vgl. Anm. 25 bei Nr. 259.
f
–f sich … erweisen] In B korr. aus der Streichung: mit sonderm fleiß ersehen und erwegen und ihrvorbringen [aufgrund Streichung nicht lesbar] lassen. Jedoch dz bei der relation ettlicher stendt abgesantten, so den sachen und partheyen nitt verwantt, ihrer ksl. Mt. auff dero erforderung und begern zugeordnet werden.