Deutsche Reichstagsakten, Reichsversammlungen 1556 – 1662 Der Reichstag zu Regensburg 1594 bearbeitet von Josef Leeb

1. HA (Türkenhilfe): Vorlage der Triplik des Ks. im RR. Beantwortung der Werbungen für die Hgtt. Steiermark, Kärnten und Krain, Österreich ob und unter der Enns sowie für das Kgr. Ungarn durch die Reichsstände.

/309’/ (Vormittag, 8 Uhr) Kurfürstenrat (Trier persönlich. Mainz: [Philipp] Cratz von Scharfenstein; Köln: von Manderscheid; Pfalz: von Dohna; Sachsen: von Wildenfels; Brandenburg: von Stolberg).

Mainz proponiert: /309’ f./ Nachfolgend Einberufung des RR für die Verlesung der Triplik des Ks. zum 1. HA (Türkenhilfe)1. Aufgrund des wiederholten Anhaltens der Gesandten für die Landstände der Hgtt. Steiermark, Kärnten und Krain wurde die Beantwortung ihrer Werbung konzipiert. Verlesung des Konz. Danach Verlesung der Konzz. für die Beantwortung der Werbungen der ungarischen Gesandten sowie jener aus Österreich ob und unter der Enns2.

/310–311/ Umfrage. Beschluss: Billigung der Konzz. sowie der Verlesung der Triplik.

/311/ Reichsrat. /311 f./ Verlesung der Triplik des Ks. zum 1. HA (Türkenhilfe) sowie der drei Konzz. für die Beantwortung der erbländischen und ungarischen Gesandten. /311–316/ Danach Verlesung von zahlreichen Dekreten des Supplikationsrats, darunter der Bescheid zur Supplikation des Niederrheinisch-Westfälischen Kreises im Zusammenhang mit dem 2. HA (Landfriede und Niederlande)3.

/316/ Mainz erklärt für KR: /316 f./ Die Triplik des Ks. soll unverzüglich beraten werden. /316’/ Die Konzz. für die Beantwortung der erbländischen und ungarischen Gesandten werden gebilligt. Die Antworten sollen den Gesandten um 15 Uhr nachmittags übergeben werden.

Salzburger Kanzler erklärt für FR: /316’ f./ Förderliche Beratung der Triplik zum 1. HA. /317/ Billigung der Antworten an die Gesandten.

SR: Anschluss an KR und FR.

/317’/ (Nachmittag, 15 Uhr) Reichsrat (für KR sind anwesend: Mainz: [Philipp] Cratz von Scharfenstein; Trier: [Anton] Cratz von Scharfenstein; Köln: Ortenberg; Pfalz: von Eberbach; Sachsen: von Wildenfels; Brandenburg: Adam von Schlieben).

Die Gesandten aus den Hgtt. Steiermark, Kärnten und Krain werden vom Mainzer Kanzler und von Sekretär Peter Kraich erfordert. Im Saal sind sie gegen der churfursten oder deren seßion uber gestanden, die abgesandten seindt gleichergestaltt aufgestanden./317’ f./ Mainzer Kanzler tritt zu ihnen, trägt die Antwort zu ihrer Werbung vor und übergibt sie ihnen anschließend schriftlich4. /318 f./ Die Gesandten danken für die Antwort5, /318’/ wiewol sie[sich] uf ir flehenlichst ansuchen eines anderna und was dieser bedrangten lande höchste nodturfft erfordert, vorsehen hetten. Musten es aber Gott dem allmechtigen befehlen und hoffen, seine allmacht werde anndere mittel schicken, daneben auch die ksl. Mt. sich dermaßen allergnedigst, und damit sie dieser hulff6 auch sich zuerfreuen hetten, ertzeigen. Diese landtschafften wehren in des Heiligen Reichs schutz und schirm, darin sie sich auch nochmals befehlen.Die Gesandten verlassen den Sitzungssaal.

Die Gesandten aus den Hgtt. Österreich ob und unter der Enns werden vor RR berufen. /318’–319’/ Mainzer Kanzler trägt die Antwort zu ihrer Werbung vor und übergibt sie ihnen anschließend schriftlich7. /319’/ Erwiderung der Gesandten: Sie vormergken, das die sachen und ihr anliegen wohl erwogen worden. Bedangken sich gegen chur-, fursten und stenden der guthwilligen hulffsleistung und zweifeln nicht, es werde die landtschafft solches nach vormögen verdienen.Die Gesandten verlassen den Sitzungssaal.

Die ungarischen Gesandten werden durch den Mainzer Kanzler und den Kurpfälzer Rat Paul Hochfelder erfordert, inen auch gegen der churfursten seßion uber eine bedecktte banck gesetzt, haben aber der stende andtwort stehende angehöret./319’–320’/ Mainzer Kanzler trägt die Antwort zu ihrer Werbung in deutscher Sprache vor und übergibt sie anschließend schriftlich8. /320’/ Erwiderung der Gesandtenb: Danken für die Unterstützung des Ks. und Ungarns durch das Reich. Es sey bißhero an inen nichts erwunden, was zu abwendung des turcken furhabens möglich gewesen; dardurch sie sehr erschöpfft seindt. Und werde das arme Ungerlandt solches umb die stende des Heiligen Reichs zuvordienen geflißen sein.Die Gesandten verlassen den Sitzungssaal.

/321/ Vereinbarung der Kurien, am kommenden Tag die Triplik des Ks. zum 1. HA (Türkenhilfe) zu beraten.

Anmerkungen

1
 Nr. 252.
2
 Vgl. die Werbungen [Nr. 281, 282, 286].
3
 Nr. 467.
4
 Nr. 284.
5
 Vgl. die wörtliche Wiedergabe der von Herberstein vorgetragenen Erwiderung in der zusammenfassenden Beschreibung des RT durch die innerösterreichischen Gesandten: StLA Graz, Laa. A. A. III, LH 42, fol. 355’–357 (Kop.). Danach bei Schollich, Verhandlungen, 128–130. Referat: Loserth, Innerösterreich, 138.
a
 eines andern] Kurmainz (unfol.) deutlicher: einer sonnderbaren hilff.
6
= der allgemeinen Türkensteuer der Reichsstände für den Ks., an der die Hgtt. partizipieren sollten.
7
 Vgl. die Antwort als Fassung 2 bei der gleichlautenden Beantwortung der ungarischen Gesandten [Nr. 287].
8
 Nr. 287.
b
 der Gesandten] Kurmainz (unfol.) deutlicher: Vortrag durch den Gesandten János Joó.