Textvorlage: , fol. 134’–139.
2. HA (Landfriede und Niederlande): Beratung in einem Ausschuss des FR, zu bilden nach Reichskreisen. Beteiligung Österreichs.
/134’/ fürstenrata. Salzburg (Kanzler) proponiert: /134’ f./ 1) KR will nunmehr die Beratung des 2. HA (Landfriede und Niederlande) aufnehmen. 2) Anmahnung der Beantwortung ihrer Werbung durch die Gesandten der österreichischen Landstände1im Zusammenhang mit dem 1. HA (Türkenhilfe). Deshalb Beratung der Werbungen aus Innerösterreich sowie aus Österreich ob und unter der Enns. [3) Supplikation Sachsen-Coburg um Entlassung Johann Friedrichs aus der Haft2]. Zunächst Entscheidung, ob man den 2. HA im Plenum oder in einem Ausschuss beraten soll.
/135/ Umfrage. Salzburg (Kanzler): Zwar ist der Landfrieden hiezuvor alberaith wol berhatschlagt /135’/ worden, jedoch weil demselben andere puncten auch anhengig, sonderlich das niderlendisch kriegswesen, und derselb weitleufig, also das er in pleno nit wol möge erledigt werden, derhalben vermaint er, man solle ain außschus machen nach den panckhen.
Bayern: Seye das niderlendisch werckh dem andern puncten der proposition anhengig. Helt derhalben darfür, das die tractation durch ain ausschus beschechen soll: Khönne ainer den andern in seinem bedenckhen desto beßer vernemmenb.Konstituierung des Ausschusses nach Reichskreisen3. Da aber Österreich am besten wiße, was es für umbstendt und gelegenhait mit disem niderlendischen werckh habe, derhalben solle man sie von solcher tractation nit außschliessen.
Österreich: Wie Saltzburg unnd Bayrn.
Pfalz-Lautern: Man solle disen andern puncten in pleno tractirn, c–dieweil man neulich den stenden die gebettne abschrifften in dem ersten puncten nit wollen folgen lassen–c,4. /136/ Wann dann aber je dem ausschus nachgehn[!], solle derselbe von den penckhen genommen, jedoch Burgundt und andere interessirte außgeschlossen werden. Seye bedencklich, das sie sollen darbey sitzen unnd hören, was man votiert.
Burgund: Beratung im Ausschuss, zu bilden aus den Bänken. Sey nit pars, werde verhofentlich nit khönnen außgeschlossenwerden.
/136–138’/ Im Folgenden votieren entsprechend Salzburg für die Beratung in einem Ausschuss, zu bilden aus beiden Bänken des FR: Besançon, Pfalz-Neuburg (mit Zusatz: /136/ doch das die,[die] pars und interessirt seindt, nit dartzue gezogen werden), Deutschmeister mit Fulda, Pfalz-Veldenz, Würzburg, Sachsen-Weimar, Sachsen-Coburg [Johann Casimir] (im Anschluss an Sachsen-Weimar), Eichstätt (Zusatz: /136’/ dass aufgrund der von Bayern genannten Argumente Österreich nit ausgeschlossen werde), Sachsen-Coburg (Johann Ernst, im Anschluss an Sachsen-Weimar), Speyer mit Weißenburg, Konstanz, Pommern-Stettin, Pommern-Wolgast (mit der Maßgabe, /137’/ die interessirt sein, auszueschliessen), Basel, Trient (im Anschluss an Österreich), Hessen-[Kassel] (im Anschluss an Pommern; Zusatz: /137’/ d–dass die jenigen auszueschliessen, so anno 90 auf dem deputation tag ebenmessig außgeschlossen worden–d,5), Brixen, Hessen-[Marburg] und Hessen-[Darmstadt] (jeweils im Anschluss an Hessen-Kassel), Baden-Durlach [Ernst Friedrich] (Zusatz: /138/ und die interessirten ausschliessen), Baden-Durlach [Georg Friedrich] (im Anschluss an Ernst Friedrich), Leuchtenberg (im Anschluss an Pfalz-Neuburge), Henneberg, Arenberg (im Anschluss an Burgund), Murbach.
Für die Bildung des Ausschusses nach Reichskreisen wie Bayern votieren: Augsburg, Hildesheim, Paderborn, , Jülich (Zusatz: /137/ erfolgt die Konstituierung nach Bänken, solle zum wenigisten ainer aus den westphalischen kraisen darbey sein, /137’/ damit man khönne wissen, wie die sachen stehen. f–Stehet den stenden an, das die jenigen sollen abgewisen werden, die anno 82 außgeschlossen worden–f,6), Regensburg, Passau, Lüttich, Münster, Cambrai, Baden-Baden, Sitten, Metz, Verdun, Toul, Lausanne, Nomeny, Hersfeld, Ellwangen, Berchtesgaden, Prüm, Stablo, Prälaten, schwäbische Gff.
Für die Vorlage im Plenum bzw. wie Pfalz-Lautern votieren: Pfalz-Zweibrücken, Brandenburg-Ansbach (Zusatz: /136’/ Falls die Mehrheit für einen Ausschuss entscheidet, ist dieser nach Bänken zu bilden, und dass zuvor zue communicirn, was geschlossen wirdt, damit man desto besser in pleno darvonn khönne reden), Braunschweig-Grubenhagen (im Anschluss an Brandenburg-Ansbach), Braunschweig-Wolfenbüttel (mit zusätzlichem Argument, /137/ dieweil etliche mahl zuvor im außschus vergebentlich tractirt worden), Braunschweig-Calenberg (im Anschluss an Braunschweig-Wolfenbüttel), Württemberg (im Anschluss an Brandenburg-Ansbachg), Anhalt, Wetterauer Gff. (Zusatz: /138’/ Da die Mehrheit aber für den Ausschuss votiert, soll dieser nach Bänken gebildet, die interessirte außgeschlossen und, was per maiora geschlossen, zuvor in scriptio[!] communicirt werden7).
Ohne Festlegung zur Form der Ausschussbildung schließen sich der Mehrheit an: Pfalz-Simmern (mit Zusatz: /136/ doch das die,[die] pars seind, außgeschlossen werden), Bamberg, Worms, Braunschweig-Lüneburg (mit Zusatz: /137/ die Ausschussresolution ist den Ständen zuvor zue communicirn, wie den in pleno tractirt werde).
/138’/ Beschluss: Befinde sich durch das mehrer, das im außschus gehandlet, derselb vermög des bayrischen voti nach den craißen gemacht und Österreich nit außgeschlossen werden sollh.Nunmehr haben sich die Gesandten nach Kreisen intern über die Deputierten für den Ausschuss zu einigen.
Die Gesandten treten nach Kreisen zur Beratung zusammeni.
/138’ f./ Bei der Beratung der Stände aus dem Bayerischen Reichskreis fordert Bayern das Direktorium, nachdem Salzburg dieses bei der Benennung der Kreisverordneten für den FR-Ausschuss zum 1. HA (Türkenhilfe) innegehabt hat und das Kreisdirektorium zwischen Salzburg und Bayern alterniere. Da der Salzburger Kanzler dies ablehnt, wird die Benennung der Kreisverordneten vertagt.
/139/ Ebenso werden die anderen, eingangs proponierten Punkte vertagt.