Deutsche Reichstagsakten, Reichsversammlungen 1556 – 1662 Der Reichstag zu Regensburg 1594 bearbeitet von Josef Leeb

Keine Teilnahme an der Beratung von Religionsbelangen mit Reichsständen, die von der CA 1530 abweichen.

Datum: Regensburg, 5. 6. (26. 5.) 1594. Eine Übergabe an Kurpfalz oder im protestantischen Religionskonvent ist nicht protokolliert, doch entspricht die dort am 5. 6. im Votum vorgetragene Erklärung1 weitgehend wörtlich dieser schriftlichen Fassung.

HStA Dresden, GA Loc. 10203/4, fol. 80–82 (Kop. Überschr.:Pfaltzgraf Philips Ludwigs etc. erklerungen. Vermerk:Nota: Pfaltzgraf Philip Ludwig hat herr Abraham Bocken dergleichen bedencken selber zugestellet den 24. Maii [3. 6.]anno 94.) = Textvorlage. HStA München, K. blau 275/1, fol. 79–80’ (Konzeptkop. Hd. Zöschlin. Nachvermerk:Iussit et audivit illustrissimus. Audivit cantzler, pfleger von Gundelfingen, Dr. Moroldt, Lic. Zeschlin, Dr. Hailbronner.) = B. GStA PK Berlin, I. HA GR Rep. 10 Nr. Xx, fol. 425–427’ (Kop. Dorsv.:Pfaltzgraff Philip Ludwigs bedennckens. C.) = C.

Zur Genese vgl. die Hinweise bei Nr. 393.

/81/ Pfgf. Philipp Ludwig erinnert das gestrige Vorbringen der Kurpfälzer und einiger anderer Räte namens der CA Stände2.

Nach der notwendigen Bedenkzeit erkleren ire f. Gn. sich nochmaln dahin, was sie zu beföderung[!] der ehren Gottes und außbreittung seines heiligen worts, aauch zu erhalttung des heilsamen religion friedens und anderer Reichs constitutionen wie nicht weniger auch zu abwendung der angegebenen gravaminum, soviel derselben dem religion frieden und Reichs constitutionibusb zuwieder–a, immer werden thun und leisten können, das sie an irem möglichen fleis nichts wolten erwindern laßen; inmaßen sie sich nicht alleine vermöge gottlichen befehls dartzu schuldig erkennen, sonndern erinnern sich auch, das es von dero geliebten vorelttern, hochlöblicher und christseliger gedechtnus, mit christlichem eifer und ernst, auch nicht ohne sonndere frucht geschehen, deren fusstapffen /81’/ ire f. Gn. billich nachfolgen. Wann sie sich aber dabei erinnern, das die jenige, so der furhabenden consultation beiwohnen sollen, nicht alle mit iren f. Gn. in religione cund den furnembsten articulis fidei–c einig, sonndern viel deroselben andere opiniones foviren, so mit der reinen, ungeandertend augspurgischen confeßion, wie dieselbe anno 30 von etlichen chur- und fursten kaiser Carlo dem funfften, hochstlöblicher[!] angedenckens, uberraicht worden3, nicht ubereinstimmen, so legen iren f. Gn. nicht allein diese besorgende gedancken an, das es bei der ksl. Mt. und stenden bäbstlicher religion ein seltzamb, vorweißlich ansehen haben werde, sonndern iren f. Gn. sey auch gewißens halben nicht untzeittig bedencklich, mit den jenigen in negotio religionis zu conversiren, zu dero irthumb ihre f. Gn. sich Gott lob nicht bekennen. Bethen derwegen ihre f. Gn., sie des nicht abordnens halben fur endtschuldigt zuhaben[!] , dann ihre f. Gn. nicht zuverdencken, das sie in solcher allerwichtigsten sachen, die unnsere und vieler tausendt seelen wolfart betreffen, dero christlichen gewißen und conscientz zuverwaren begehren und dero nachkommenden posteritet zur ergernus nicht ursach geben wollen. Doch geben ire f. Gn. dadurch anndern stenden weder maß noch ordnung. Wann auch in andern politischen und welttlichen sachen /82/ irer f. Gn. gutachten erfordert würde, trügen sie kein bedencken, daßelbe neben andern chur-, fursten und stenden an orten und enden, da es begeret wurdet, zueröffnen und das jenig befödern[!] zuhelffen, was zu ufnehmung und wolfartt des gemeinen vaterlandts deutscher nation ersprießlich und dienlich sein mag.

Welches ire f. Gn. den herrn churfurstlichen pfaltzischen eund den andern stenden–e zu dero gnedigen resolution antzutzaigen befolen.

Actum Regenspurg, den 26. Maii[5. 6.] anno 94.

Anmerkungen

1
 Nr. 185, fol. 93–94’.
2
 Vgl. Nr. 184, Abschnitt A.
a
–a auch …. zuwieder] In B Hinzufügung am Rand.
b
 und Reichs constitutionibus] Fehlt in B. C wie Textvorlage.
c
–c und … fidei] In B Hinzufügung am Rand.
d
 ungeanderten] In B nachträgliche Einfügung.
3
 Vgl. Anm. 3 bei Nr. 393.
e
–e und … stenden] In B Hinzufügung am Rand.