Deutsche Reichstagsakten, Reichsversammlungen 1556 – 1662 Der Reichstag zu Regensburg 1594 bearbeitet von Josef Leeb

Bewilligung von 20 Römermonaten eilender Hilfe noch für das Jahr 1594 sowie von 30 Römermonaten beharrlicher Hilfe innerhalb von 3 Jahren. Bedingungen: Ausweisung und Einbringung der Steuerrestanten, Klärung der reichsstädtischen Gravamina. Wahrung der Steuergerechtigkeit.

Im SR verlesen und gebilligt am 22. 6. sowie am 23. 6. 1594)1. Im RR verlesen am 23. 6.2 Der Mainzer Kanzlei übergeben am 25. 6.

HHStA Wien, MEA RTA 91, fol. 259–260’ (Kop. Dorsv.:Stett relation in puncto, wie hoch die hulff zulaisten. Praesentatum Regenspurg, 25. Junii 1594.) = Textvorlage. StA Augsburg, Reichsstadt Nördlingen MüB 80, Prod. 56 (Kop. Dorsv.:Resolution der erbarn frey- unnd reichsstett uf den punctum quantitatis. Nr. 4. Abgelesen den 13. Junii [23. 6.]anno 94.) = B. StadtA Ulm, A 646, fol. 134–135’ (Kop. Dorsv.:Resolutio der erbarn stött in puncto quantitatis. Den 14. Junii [24. 6.!]im Reichs rath referiert anno 94.) = C. ISG Frankfurt, RTA 86, fol. 112–113’ (Kop.). AVCU Strasbourg, AA 843, fol. 178–179’ (Kop.). StadtA Lübeck, ASA RTA XIV, fol. 237–238’ (Kop.).

/259/ Die höheren Stände werden die erste Resolution des SR zum 1. HA (Türkenhilfe) erinnern3.

Weil es aber nun mehr an dem, das man sich auch in specie der türckhen hilf halben ercleren soll, als thun der ksl. Mt. zu allerunderthenigsten ehren unnd den betranngten christen auf den hungerischen gränitzen zu trost, hilf unnd rettung sich der erbarn stett gesanndte in namen irer obern dahin resolviren, das allerhöchstgedachter ksl. Mt. an stat begerter anticipation4 20 monat zu eilender hilf noch alsbaldt in disem jetztlauffenden 94. jar auf zwey, als zehen monat nechstkhunnfftig Laurentii erstes, dann die übrigen zehen monat Omnium Sanctorum5 anders zil an ortten, daa es gebreüchig, zuerlegen bewilligt werde.

Antreffende dann verrner die begerte beharrliche hilf, /259’/ da erinnert man sich, das ein merckhlicher resstandt an den hiebevor bewilligten alten contributionen noch ausstenndig6. Darauß dann unwidersprechlich entstehet, das man mit kheiner hilf zureichen möge, sonndern nachdem die eingewilligten hilfen von etzlichen saumigen nicht ervolgen will, der last alsdann auf andere gehorsame unnd bißweilen die unvermöglichsten erwächst. Daher man nit unzeitig bewegt worden, vor allen dingen eine designation zubegeren, was unnd wieviel nemblich vonb alten contributionen noch ausstendig unnd bei weme7. Unnd in dem man sich aller unndterthenigist getrösten will, die ksl. Mt. werde die allergenedigiste anstellung thun, damit zu erhaltung gebüerender gleichheit solche ausstänndt allenthalben one einige unndterscheidt eingebracht, wie nit weniger der erbarn stett offt unnd vil geclagten iren gravaminibus8 noch bei diser werenden Reichs versamblung wirechlich[!] abgeholffen werde: In solcher vertröstung wollen derselben stett anwesendte gesanndten (hindan gesetzt irer bewusten unnd lanndtkhundigen ungelegenheit unnd obligenden beschwernuß, betrangnusen unnd er- /260/ schöpffung irer aerarien unnd irer burger unnd angehörigen unvermöglichkheit) mer allerhöchstgedachter ksl. Mt. zu beharrlicher hilf noch 30 monat, in dreyen volgenden, als 96, 97 unnd 98 jaren zu zweyen zilen, nemblich Laetare unnd Nativitatis Mariae9 erstgemelten jedes jars, in die hiertzu verordnete legstetten an groben sortten unnd in dem wert, wie dise jedes orts ganngbar, betzalt unnd richtig gemacht werden soll, hiermit bewilligen unnd laisten; doch gegen abtzug des jenigen, was etzliche erbare stött in iren khreysen unnd sonnst auf der ksl. Mt. dißfals beschehen ansuechen berait vorhin zugeschossen unnd erlegt haben10.

Es seint auch die erbarn stött verrner der unnderthenigst unnd unndterthenigen vertröstung, man werde nit allein, wie obbegriffen, bei höhern und nidern stenndten ein durchgehende gebüerende gleichheit halten. Sonst in den andern übrigen puncten wollen sich der erbarn stett gesanndten mit den höhern stenndten nach gelegenhait unnd billichen dingen vergleichen.

Anmerkungen

1
 Ulm, fol. 45, 45’ [Nr. 113, 114].
2
 Kursachsen, fol. 174–175 [Nr. 16].
3
 Nr. 266.
4
 Bezugnahme auf die Nebenproposition des Ks. [Nr. 263].
5
 = 10. 8. und 1. 11. 1594.
a
 da] In B, C: dahin.
6
 Vgl. Anm. 33 bei Nr. 11.
b
 von] In B, C: an.
7
 Meister und Rat der Stadt Straßburg kritisierten in der Weisung an ihre Gesandten vom 2. 7. (22. 6.) 1594 die Höhe der Zusage durch KR und FR in Anbetracht der Missernten, Söldnereinfälle und Truppendurchzüge. Sie sahen nicht, wie die Steuer im Oberrheinischen Kreis werde erhept und von den armen, verderbten leütten einzupringen sein,und bemängelten, dass Stände, die entweder nichts geben oder die keine Schädigungen zu beklagen haben, andere Stände, die /41/ nach allem ihrem vermögen gern daß beste thetten, dermaßen, wie beschicht, praejudiciren.Sie begrüßten deshalb die Forderung des SR nach Offenlegung der Restanten und befürworteten, dass die evangelischen Stände darauf beharren, damitt man die ungleicheitt augenscheinlich zuspüeren, dieweil sich ohn allen zweiffel befinden würdt, das fast aller last des Reichs uff den beschwerden evangelischen stenden und sonderlich den erbarn frey- unnd Reichs stetten ligen thutt. Daher man abermahls ursach genug, uff die mittel und weg zugedencken, das gleiche bürde von allen stenden proportionaliter getragen und die ungleicheitt, deren sich sonderlich der procurator fiscalis an dem kayserlichen cammergericht befleißt, abgeschafft werde(AVCU Strasbourg, AA 846, fol. 40–43’, hier 40’ f. Or.; präs. 9. 7. {29. 6.}).
8
 Bezugnahme vorrangig auf die beim RT 1582 vorgelegten Gravamina: Leeb, RTA RV 1582, Nr. 247 S. 939–943 (sowie die Folgeakten bis Nr. 270).
9
 = 4. Fastensonntag und 8. 9.
10
 Vgl. Einleitung, Kap. 2.2.