Verweis auf die Antwort der geistlichen Reichsstände zum Vorbringen Madruzzos beim RT 1582. Bitte um Maßnahmen des Papstes gegen den Verlust weiterer Hstt. Bemühungen der geistlichen Stände seit 1582 um die Hebung der kirchlichen Disziplin, die Umsetzung der Vorgaben des Tridentinums und den Erhalt von Hstt. bei der katholischen Religion. Bekräftigung der 1582 ausgedrückten Bereitschaft zur Visitation des Klerus und zur Veranstaltung von Provinzialsynoden.
Aufzeichnungen zur Beratung der Antwort konnten nicht aufgefunden werden.
HHStA Wien, RK RTA 66a, fol. 330–335’ (Konz. von Hd. des Mainzer Sekretärs Peter Kraich1. Dorsv. Hd. Kraich:Antwortt der catholischen churfursten, ertz-, bischoffen und prelaten2, dem hern cardinaln Madrutio gegeben.) = Textvorlage.
Knapp erwähnt bei Stieve, Politik I, 262 f.
/330 f./ a–Die Ebff. von Mainz, Trier und Köln haben neben anderen–avernommen, was Legat Ludovico Madruzzo im Auftrag des Papstes den persönlich anwesenden Ebff., Bff. und Prälaten sowie den Gesandten einiger anderer geistlicher Stände mündlich und schriftlich vorgebracht hat: Mittel und Wege zu finden, um dem Verlust weiterer Hstt. vorzubeugen, die kirchliche Disziplin durch Provinzialsynoden zu stärken, die Bestimmungen des Konzils von Trient umzusetzen sowie Vorgaben bei den Bischofswahlen und bei der Einrichtung von Seminaren zu beachten.
/330’/ Konnen anfangs hierauß nitt anders vermerkhen, dann daß eß ire Hlt. zu erhalttung der gottseeligen stifftungen im Reich teütscher nation und ins gemein der gantzen allein seeligmachenden catholischen religion zum besten alß ein sorgfeltiges oberstes haupt und hirt derselben gantz getreulich, vatterlich und eiferig mainen. Darumb sie auch irer Hlt. aller underthenigsten hohen danckh sagen und haben.
Wann nun ire kfl. Gnn.b sich iren theils noch frisches angedenckhens zuerinnern /331/ wissen, waß bey nechstgehalttenem reichstag zu Augspurg anno 82c die damals lebende bapstliche Hlt.3, allerhochstseeligster gedechtnuß, durch bemeltten hern cardinaln vast eben der angedeütten ursachen wegen, yedoch mitt andern mehr eingefürten erinnerungen, den alda gewesenen geistlichen ertzbischoffen, bischoffen und ettlicher abwesenden räthen gantz eiferig und wolmeinendt fürtragen lassen4, waß sie sich auch hinwider in schrifften mitt außfürlicher deduction, waß einen und deß andern fals halb zuthun sein wölle oder könne, gantz gehorsamlich erbotten und dabey auch, vatterlich zuverfügen und in ettlichen fellen die allergnedigst handt zubietten, in aller underthenigkeit gebetten5. Welches alles geliebter kürtz halb hiehero wider erholett d–und dabey nochmals in underthenigkeit gebetten wirdt, eß woltten ire Hlt. in erwegung, daß sich seitt bemelttem 82. jhar bey andern noch mehr stifften, sonnderlich Minden und Oßnabrug6, dengleichen gefehrlicheit und inclination uber deß metropolitani angewendte beschickhung, fleiß und bemühung ereügen, an guetter, ernster erinnerung und vermahnung bey denselben capituln angeregter gestaltt ires tailß auch nichts underlassen–d. e–Alß wöllen sich ire kfl. Gnn.–e tröstlich versehen, sie und yeder insonderheit habe in seinen ertz- und stifften angeregtem erbietten gemes bißdahero allen seinen eüssersten müglichen fleiß angewendett, /331’/ damitt die gaistliche disciplin under dem clero gehaltten, allen einreissenden mengeln gesteürtt und in den altten gottseeligen wandel und wesen gerichtett, auch so wol in gaistlichem und politischem regiment die richtschnur deß heiligen tridentinischen concilii nach eines yedes ortts vermöglicheit, gestaltt und gelegenheitt gehaltten werde. Alß dann auch Gott lob in uffrichtung und vortpflantzung gueter hailsamen seminarien bißhero kain mangel bevor gewesen, sondern deren, ye lenger, ye mehr, zunemmen und dannenhero nitt geringe, sonnder zu erhalttung unnserer wahren alten catholischen religion gantz ersprießliche fruchtbarkeitt empfunden worden, auch hinfurter nitt weniger fleiß darzu angewendett werden solle.
Waß aber dabey vonn wegen der ohngereümbtten postulationen und electionen, so in ettlichen stifften fürgehen sollen, angeregt worden, wie demselben ohnheil zubegegnen sein mögte, da woltten zwar ire kfl. Gnn.f /332/ nichts liebers sehen oder höher wünschen, auch an irem fleiß und vermögen ohngern ichtwaß underlassen, wie durch die angeregte mittel solchem ohnheil und eingerissenem übel bey ettlichen ansehentlichen ertz- und stifften begegnett werden könt. Wie auch yemaln mitt allergnedigstem zuthun und handtbiettung der röm. ksl. Mt., unnsers allergnedigsten herrng, nitt umbgangen worden, mitt allem fleiß und ernst dahin zusehen und zutrachten, wie die zum abfall neigende stifft, soviel immer menschlich und müglich, erhaltten und vor undergang verhüttet pleiben möchten. h–Waß aber gegen solche getreue wolmeinung wider allen guetten willen in neülicheit de facto fürgangen, deßwegen seindt noch bey ettlichen stifften frische exempla7 vor augen–h. Mann ist aber darumb nitt gemeinett, von solchem treüeiferigem wolmeinen abzusetzen oder waß noch in guettem catholischem standt und wesen ist, in gleichen abgang kommen zulassen, sonnder erbiettig, mitt und neben irer i–bäpstlichen Hlt. und ksl. Mt. alß baiden hochsten gaistlichen und welltlichen oberhaubtern–i alleß daß jenig mithelffen /332’/ vorzunemmen und einzuwenden, waß yeweil darzu immer dienstlich, fürtreglich und ersprießlich sein wirdett, auch ein yeder vor sich selbst zuthun schuldig ist. Und wehre zwar in solchen und dergleichen fellen nitt das geringste, sonnder das vortreglichste, auch hoch zu wuntschenj, das in k–denen stifften, so sich zum abfall begeben und incliniren–k, die personen und canonici also qualificirt, wie eß die praescripta constitutionum ecclesiasticarum, auch sonnsten die disposition sacri tridentini concilii und canones außweisen. Derhalben gleichwoll in denen stifften, so noch in esse sein und sich bey der catholischen religion erhaltten, verhoffentlichm kein mangel bevor ist, auch noch mitt allem fleiß daran und darob gehaltten werden solle.
Und dieweil mitt und neben diesem auch in angeregter, zu Augspurg dem herrn cardinal überraichter gehorsamen resolution diß wolmeinendt allerunderthenigst bedenckhen angehefftet, daß bey diesem sorgsamen wesen gantz fürstendig sein soltte, daß die bapstliche Hlt.n /333/ die metropolitanos und ordinarios ersuchten und erinnerten, iren anbevolhenem clerum zu visitirn und die erscheinende mengel so wol an personen alß iren tragenden verwalttungen und allem andern zucorrigiren und wie furter mitt anstellung der provincialn sinoden und erforderung coepiscoporum, comprovincialium oder suffraganeorum alles in bessern standt zurichten, auch sonnst mitt ertailung der canonicaten eß uff den stifften zuhaltten, auch mehrerteils gehaltten und waß dabey mehr notwendig angedeüttet und erbotten wirdt8, so thut man daßelbig wider anhero repetiren und erholen; wirdt auch hochstermellteno cardinaln deßwegen hiemitt ein volnkommene abschrifft mehrgedechter resolution, ob wol, daß sie bey der handtp, nitt gezweiffelt wirdt, zugesteltt.
Und seindt nochmals gegen irer Hlt. die q–anwesende drey ertzbischoffen und gaistliche churfursten ires theils, wie dan die ubrige catholische ertz- und bischoven zweyfels frey auch weniger nicht gemeint sein werden–q, deß aller underthenigsten gehorsamen erbiettens, wie sie bißhero nichts underlassen, waß zu erhaltung der noch übrigen stifften und vortpflantzung /333’/ unnserer wahren catholischen religion dienlich und ersprießlich, daß sie auch noch an irem eüsserstem vermügen und fleiß, r–soviel menschlich und muglich–r, nichts s–abgehn und erwinden lassen wollen–s, auch mitt iren anbevolhenen kirchen und verwaltungen und waß deme allem anhangtt, also und dermaßen mitt gnadt verleyhung deß almechtigen sich erzaigen, wie sich daß ires standts, ambts und beruffs halb gebürett und inen obligtt, und waß immer zu widerbringung deß jenigen, so sich zum abfall neigett, und erbauung der catholischen religion furstendig und nutzbarlich sein wirdett. t–Wie sie dan noch des gehorsamen erpietens seint, dha je ettwas unrichtigs in moribus et disciplina sollte eingerissen sein, dasselb durch gepurliche visitationen ires anbevolhen cleri zu reformiren und inn richtigen, gueten wolstandt zupringen–t. Gantz freündtlichs fleiß bittendt, eß wölle der her cardinal diese irer kfl. Gnn.u erclerung und gantz gehorsamlich erbietten irer Hlt. zum besten anbringen und derselben sie sambtt und sonnder zu vatterlichen gnaden gehorsamlich bevelhen.
Schlussformel. [Unterzeichnung fehlt.]