Deutsche Reichstagsakten, Reichsversammlungen 1556 – 1662 Der Reichstag zu Regensburg 1594 bearbeitet von Josef Leeb

Protokollführung durch zwei CA-Stände des FR gegen unzutreffende Referate der katholischen Direktoren. Ausschluss selbst involvierter Stände von entsprechenden Verhandlungen. Überstimmung der CA-Stände im FR durch die katholischen Stände: Reduzierung der Prälatenvoten auf zwei Kuriatstimmen. Vortrag abweichender Resolutionen durch die CA-Stände des FR beim Korreferat, Beanstandung unzutreffender Referate der katholischen Direktoren. Paritätische Besetzung von RT-Ausschüssen und des RDT. Missbräuchliche Einberufung und Kompetenzerweiterung des RDT. Amtsverfehlungen der Mainzer Kanzlei. Missbräuchliche Beschränkung der RT-Thematik auf Türkensteuern, Ausweitung auf Bedürfnisse des Ks. und der Ehgg., Perpetuierung ohne Rücksicht auf anderweitige Gefahren. Forderung des Einzelstimmrechts der Reichsstädte zur Stärkung der CA-Stände. Subalterne Vorlage von Ständeresolutionen zu Supplikationen, voreilige ksl. Dekrete. Verweigerung der Annahme von Appellationen durch den Kf. von Mainz. Keine Entscheidungsbefugnis des Ks. in Angelegenheiten, die ihn selbst betreffen. Konfessionell parteiische Zuerkennung ksl. Patente für Söldnerwerbungen. Gutachten zum Reichsmünzwesen. Sicherung des Zugangs protestantischer Häuser zu den Hstt. durch Neuvorlage des Geistlichen Vorbehalts. Revidierung der Verträge des Reichs mit Burgund, Österreich und Lothringen. Unterstützung Gf. Joachims von Ortenburg.

Die Gravamina beruhen auf einem beim RT 1582 von den Gesandten Pfgf. Johann Casimirs von Pfalz-Lautern initiierten Gutachten für die CA-Stände zur Verbesserung ihrer Position auf künftigen RVV1. Aus diesem Gutachten wurden in Heilbronn viele Punkte teils wörtlich in die vorliegenden Gravamina übernommen, wenige Passagen wurden gestrichen und einige Absätze im Hinblick auf die aktuelle Entwicklung seit 1582 neu hinzugefügt2. Die Gravamina wurden dem Heilbronner Abschied3 als Beilage B beigegeben. Eine Vorlage oder Beratung beim RT 1594 wird weder für die Kurien noch für den protestantischen Religionskonvent protokolliert4.

StA Nürnberg, ARTA 58, Prod. 121 (Kop. mit Randvermerken, die den Inhalt zusammenfassen. Dorsv.:B. Überschr. vgl. beim Text) = Textvorlage. HStA Stuttgart, A 262 Bd. 70, fol. 573–585 (Kop. Vorvermerk:B. Überschr. wie in Textvorlage) = B. GStA PK Berlin, I. HA GR Rep. 14 Nr. 8a Fasz. 2, unfol. (Kop.) = C. HStA Wiesbaden, Abt. 171 R 467, unfol. (Kop. Überschr. wie in Textcorlage).

Vgl. Schulze, Reich, 139, 151, 160–162, 177 (mit Auszügen und Analyse, beruhend auf einer abweichenden Fassung mit 28 Einzelpunkten [StA Nürnberg, ARTA 62, fol. 9–30’. Kop.], die im Wortlaut nicht Beilage B zum Heilbronner Abschied entspricht, jedoch inhaltlich übereinstimmt); Schulze, Concordia, 61 f.; Schulze, Decision, 51–53; Schlaich, Mehrheitsabstimmung, 308 f., 315 f., 330; Vareschi, Legazione, 170 f., 181, 228.

Vorzeichnus etlicher gravaminum, so von den stenden augspurgischer confession uff kunfftigen Reichs tag in underschidlichen Reichs rethen in acht zunemen, dz die zum theill abgeschafft oder verbessert werdena.

1) Anfenglichs ist im fursten rath bishero von den stenden augspurgischer confession kein protocoll gehaltten noch die vota, proces und vorgangne hanndlung auffgezeichnet worden. Weiln sich aber befunden, dz nicht allein bisweilen durch die directores, als Osterreich und Salzburg, die vota nicht recht gehöret, sondern auch in referiren und correferiren sich uf sonderbare breuch und herkommen, die den pepstlichen stenden zu vortheill, den augspurgischen confessions verwandten aber zu grossem nachtheill gereichen, zihen, wurdt fur ein notturfft geachtet, das die fursten augspurgischer confession sich dahin zuvergleichen, damit ufs wenigst zwen verordnet wurden, die solche protocolla vleissig und richtig haltten, wie bey den churfursten und stedtrath geschicht, uf dz man sich aus denselben, was yederzeit furgangen und herkommen, wuste berichts zuerholen und hergegen beschwerliche eingeng und neuerungen zuvermeiden und abzuwenden5.

2) Am andern hatt sich bbey jungst vorschinenn in anno 82 zu Augspurg gehalttenem Reichs tag zugetragenn–b, das im fursten rath die interessenten einer sach wie auch die jenigen, so selbst partheyen seindt, nicht allein den handlungen und beratschlagungen, so sie selbst antreffen, beygewonet und nit abtretten wollen, sondern auch selbsten votirt und also ein mehrers zumachen understanden: als da Burgundt bey berathschlagung des niderlendischen kriges6, auch Gulich und Luttich in der aachischen sachen gesessen und votirt7. Welches, weil es wider alle recht und billichkeit, furbas woll in acht zuhaltten und abzuschaffen. Unnd dahero auch Osterreich halben die vorsehunge zuthun, das hinfuro in contributions sachen, die sie immediate beruren und doch nichts contribuiren, sie von deren consultationibus und votirn abgehaltten werden, in ansehung, sie hivor kein stim gehabtt, weill sie sich mit keinen fursten uff der welttlichen banck der session halben vorgleichen könden und derwegen auff der geistlichen banck gesetzt, da sie yetzt, und nicht allein die erste stim, sondern auch die direction neben Salzburg gebrauchen. Wie dan solches gleichwoll bey jungstem Reichs tag etlicher massen angedeutet, dz sie bishero bey consultationibus in contribution sachen wider den turcken non ex debito, sondern per tolerantiam gelassenn8. Und ist dis gravamen nicht allein des votirns in propria causa und uberstimmens halben, sondern auch dahero desto mehr in acht zunemen, weill Osterreich et per consequens die ksl. Mt. selbst dardurch erferet9, welche stende sich der contribution in sonderheit und uf welche weis beschweren. Denen hernacher uf mancherley weis zugesetzt wurdt und, ire vota frey heraus zu sagen und des Reichs notturfft furzubringen, abgeschreckt werden.

3) Zum dritten wurdt fur ein unleidenliche beschwerung geachtet, dz man sich im fursten rath mit vleis understehet, die stende augspurgischer confession in allen sachen zuuberstimmen10. Welches vornemblich daher riret11, dz viel äbte, praelaten und andere zu den Reichs tegen beschriben und im Reichs rathe sitzen, die doch dem Reich gar wenig contribuiren, auch zum theill weder lanndt noch leut haben, sondern sonsten iren geistlichen ordinariis, ertz- und bischoven underworffenn, die sie auch in andern sachen zu eximiren wissen, aber uf dergleichen Reichs versamblungen allein in praeiuditium der hohern stende und augspurgischer confessions verwandten durch solch ir unzimblich votirn das mehr machen; da inen doch billich kein stim im Reichs rath zugelassen werden soltte oder ire gleiche burden uneximirt mit tragen helffen solten. Wirdt derhalben zubedencken gesteltt, weiln die graven des Reichs, so mit landt und leuten so woll als fursten vorsehen und doch nur zwo stim haben, ob es nicht mit den praelaten auch dohin zurichten, das ire vota unnd stimmen in gleichen einzuzihen12. cWie etwan in den alten Reichs abschiden zu sehen, das dergleichen praelaten standt in furnemer anzaall einer under inen allein vertretten und mit einem gleich stimmenden voto absolvirt–c, sintemall sonsten einer leichtlich, weiln die vota nicht ponderiret, sonder numerirt werden, woll von land und leuten votirt und gesprochen werden möchted, da man an dz österreichisch, salzburgisch und bayrisch votum, welchen sich die geistlichen conformiren, gebunden sein soltte. eDan obwoll under den evangelischen stenden gesessenne[!] praelaten, die von denselben eximirt und in contributionibus vertretten, uff Reichs täge auch pflegen beschriben zu werden, welche auch mit iren votis den andern könten wo nicht uberlegen, doch ungeverlich gleich sein, so ist doch zubedencken, dz dieselben, ob sie schon beschriben, zur session nicht gelassen wurden, weiln dergleichen hohern stenden, als Magdenburg und andern, disputirlich gemacht–e.

4) Wan nun also, fwie aus ungleicheit der religion vatterlanndts und der stende freyheit und wollstanndts halben ye zu zeiten nicht woll anders geschehen kan–f, disparia vota vorlauffen und begeret wurdet, solche den churfursten und stetrath mit allen iren anhengen, motivis und ursachen zu referiren, kan man doch die osterreichische und salzburgische dohin nit bringen, dz es geschehe; allein zu dem ende, dz nicht der churfursten und stedt rethe, da sie die zweyerley meinung mit iren umbstenden anhörten, von inen ab und zu andern bewegt werden möchten. Als stehet zubedencken und daruf abzuferttigen, was sich uf solchen fall zuverhaltten, und ob nicht, wie fur gerathen geacht, es dohin zurichten, da die referenten, disparia vota zu referiren, sich beschweren, dz alsdan nicht desto weniger die augspurgischen confessions verwandten ire vota mit allen umbstenden schrifftlich oder mundlich referiren und die der ksl. Mt. anbringen lassen13, wie auf bemelttem nechst verschinemg Reichs tag albereit einmall beschehen14.

5) Unnd dieweiln uf solchem jungst gehalttenem Reichs tage die grose partialitet der referenten zimblich vermerckt worden, dz sie bisweilen als per maiora vota, die doch die minora oder je paria vota gewesen, oder in sachen, darinnen die augspurgischen confessions verwandten gar nit votirt, wie in causa Stolberg contra Mentz beschehen15, bisweilen auch contrarium referiret, als hett man sich dessen kunfftig uf den fall, es mehr getriben werden wolt, nicht weniger zubeschweren und keines wegs ungeandet zulassen, sondern zumercken und zeittlich zuvorkommen.

6) Und nachdem also die stende augspurgischer confession nicht allein im Reichs fursten rath, sondern auch im supplication- und außschus rethen16, uff deputations- und andern tegen uberstimmet, als stehet auch zubedencken, ob nit gut und nötig, furbas in keinen auschus, supplication rath, deputation- und andere tege zu willigen, es werde dan gleicheit gehaltten und beeder relligions und standts personen in pari numero dazu gezogen und deputirt.

7) Und sovil in specie die deputation tag belangt, weis man sich zuberichten, dz dieselben anfanngs nur etlicher empörung halben, so sich im Reich zugetragen, ad tempus vor rathsam angesehen und verordnet. Weiln aber dieselben nuhmehr uf alle sachen, so man etwan uf Reichs tagen nicht erhalten oder durchzubringen getrauet, zu extendiren understehet, wie die stende, so anfangs zu solcher deputation gezogen und mehrtheills bäbstisch seind17, zu perpetuiren, auch solchen gewalt einzuraumen, dz sie constitutiones Imperii in relligion-, justitien- und andern prophan sachen machen mögen, hso haben stende[!] desto mehr ursach, uf anstehenden Reichs tag solches in acht zunemen, und da man wider dergleichen sachen, es weren relligions-, justici- oder ander puncten, uf ein deputation vorschiben woltte, daruff zugedencken, wie solches zuvorkommen und abzuleinen, oder aber ein solch deputation zubegeren und zuurgiren, die den sachen gemes und dabey man sich keiner partialitet zubefaren. Welches dahero beschehen möcht, da den vorigen deputirten uf den fall, ye dieselben der kraiß halben nicht zuendern, von andern evangelischen stenden so vil adjungirt wurden, dz sie den papisten numero pares sein mögen, oder dz uf den eusersten fall die deputirten, so der augspurgischen confession, da sie sich uberstimmens und geverlicher praejuditial erclerung und constitutiones in relligions- und andern sachen zubefaren, nichts einwilligen–h, so den stenden augspurgischer confession zuwider, sondern dagegen protestiren und ad status Imperii provocirn.

Inmassen dan exempli causa Osterreich unnd Burgundt zu jungster deputationi gezogen, dorauff vornemblich punctus iustitiae tractirt worden18, da doch solch beede krayß mit des Reichs justitien nichts zuschaffen haben noch derselben underworffen sein wollen19, und je wider alle billichkeitt lauffet, dz die jenigen andern gesetz und ordnung furschreiben sollen, denen sie selbst zugehorsamen nicht gedencken. Und werden dagegen die wederauische graven, die doch nicht geringer als die schwäbischen graven seindt, von den deputation tägen ausgeschlossenn; dessen sie sich auch uf dem Reichs tag anno 82 beclagt20. jDa es aber uf eine solche neue und gleichmesige deputation, wie vorangeregt, gericht, wurde man sich desto leichter zufriden stellen–j.

8) Als sich auch bey der mentzischen cantzley diser beschwerliche mangell befindet, das vilmalls ingegebenne handlungen (darzu man nicht lust) hintterhaltten, daran den stenden mercklich gelegen, dagegen aber andere abzuschreiben gegeben werden, deren man so hoch nicht bedurfftig21. Inmasen sich auch bey anordnung des supplication raths dergleichen partialitet ereugen thutt, dahin von Meintz gemeinlich dergleichen sachen gegeben, die man expedirt haben will; die man aber nicht gern an tag kommen lasset, hintterhalten oder so lanng verschoben bleiben, bis der Reichs tag zum ende leufft, da alsdan der supplication rath urplötzlich abgeschaffet wurdet. kIst ebenmessig zubedenckenn, wie solchem partheilichem werck, das den beschwertten stenden zu nachtheill reicht, rath zuschaffenn, und ob es nicht dohin zurichtenn, dz entweder protocolla uber die ingebne sachen zuhaltten oder den partheyen an hanndt zugeben, die hanndlungen nicht in die mentzische cantzley, sondern in die rethe selbst zuliffern–k.

9) Weill auch bis anhero in den Reichs fursten- und besonders supplication rethen aus dem vil inconvenientia ervolgenn, dz den stenden nicht angezeigt wirdet, was unnd wovon man consultiren woltte, sondern ex abrupto eine sach, ldie etwan die geistliche oder genannte catholische gernne befurdert sehen, herfurgezogenn, darauff die gesanndte sich in eyll nicht bedencken köntten–l: Wurdt darfur gehalttenn, dz ins kunfftig billich in allen rethen begert werden möge, allweg zuvor den stenden, wann sie abtretten, die materien, davon man des andern tags zurathschlagenn hett, anzuzeigenn, damit man desto gefaster erscheinen könde22.

10) Unnd also weill im supplication rath etwa viel bedencken gemacht, aber keines ad describendum gegeben wurdet23, dahero auch die gesanndten und räth iren herren nicht allein keine bestendige relation thun können, sondern auch hernacher im chur- unnd fursten rath mit keinem gutten bedacht dorauff votirt werden kan, were diser mangell bey kunfftigem Reichs tag auch zuverbessern: dergestalt, dz man sich in dergleichen consultationibus zuvorderst des proceß vergleiche, im supplication rath bedencken mache mund hernacher in pleno senatu referirte, wie herkommen unnd billich sein solle. Wie auch dohin zusehen,[dass der Supplikationsratn] gleich ersten anfangs eines Reichs tages verordnet und vor publication des abschidts nicht auffgehebtt oder eingesteltt, damit die beschwerden mit decreten und hulff vorsehen unnd nicht gehindert oder auffgehaltten werden–m.

11) Nachdem es auch dahin kommen, dz es uff allen Reichs tegen vornemblich allein umb die contributiones unnd der stende geldt zuthun unnd oder turck allweg pro medio concludendi gebraucht, hernacher alsdan etwa mit demselben friden gemachet wurdet unnd doch nichts desto weniger die eingewilligte contributiones nicht allein erlegt sein mussen–o, sondern man auch diselbige zu perpetuiren und neben solchem auch in andere wege mit neu gesuchter ksl. underhalttung24, baugeltt wie auch zu defension anderer osterreichischer herren lannd grentzen25 zubeschwerenn understehet, dadurch dann die stennde des Reichs teutzscher nation dermasen ausgeschepffet werden, das, wo grosser nott einmall an den man gehen soltte, alsdan herren unnd underthanen unmuglich fallenn wurde, hulff unnd rettung zuthun. Dardurch dan nicht allein dem turcken, sondern auch andern benachtbartten potentaten thur unnd thor, das Reich anzufallen und under ir joch zubringen, geöffnet. pUnd, welches das ergste, hat man auch bey werenden contributions jaren gegen solchen benachbartten beschwerungen, wie an den spanischen und lottringischen ausfellen unnd beschedigungen, da etlich krayß und stendt wider den relligion- unnd landfriden verderbtt und mit vorsperrung der commertien geschwecht, kein rettung oder hulff sich zuversehen, sondern man thut auch noch denen aus solchen ehehafften ursachen seumenden stenden irer resten halben26 mit starcken processen zusetzenn; hergegen aber andern, die in viel jaren nichts contribuiret, wie insonderheit der burgundisch krayß, in allen dingen favorisirn–p. Desgleichenn unnd ob schonn bekannd wurdt, das solche contributiones voluntariae unnd nicht ex debito sein sollenn, so understehet man doch, die stennde dazu zu zwingen, mit guten, dan mit betrohungen und solchen wortten, dz man es in andere wege einem wider gedencken werde, zunöttigenn27, wie den stetten uf nechst verschinem Reichs tag anno 82 widerfaren28 qund vorm jar von ksl. gesanndten in gesuchter extraordinari hulff etlichen auch begegnet29. Als were dannocht gutt und wurdts einmall die notturfft erfordern, dz die vornembste welttliche stende auch irer posteritet halben gegen instehenden reichstag uf mittell bedacht weren und also abferttigten, dz solchen vilfelttigen contributionen (doraus erscheinet, dz das Reich dem turcken tributarium werden möchte) endtlich ein maß gesetzt unnd dahin gesehen wurde, mit weme es der turck zuthun, ob das Reich oder andere gemeinet, und nicht auch ander mittell zu finden und der ksl. Mt. an die hannd zugeben, damit die rechnung nicht yederzeitt uf die contribution gemacht wurde; desgleichen und dz auch yetzo mit der einwilligung mas gehalttenn und die vermuglichen stende die andere, so zum theill allerhannd beschwerden etlich jar hero nahendt gesessen und austehen mussen, in acht haltten und es also machen, das mans allerseits erschwingen, auch dabeneben ein yeder bey ordentlichen rechten ohne beschwerdt bleiben und die ordentliche Reichs burden tragen helffen moge–q.

12) Es ist auch bey jungstem in anno 82 gehalttenem Reichs tage den erbarn frey- und Reichs stetten dermasen zugesetzt worden, das man sie nicht fur Reichs stendt erkennen noch iren gemeinen gravaminibus abhelffen wöllen, sondern furgeben, ein römischer kayser habe machtt, den stetten absolute unnd ex offitio in relligion- und prophan sachen zugebitenn. Wie dan understanden, sie von andern stenden abzusondern und mit beschwerlichen commissionen, decreten und praeceptis ab executione mit inenn zuhandlen30,r. sWan nun uff vorstehenden Reichs tage dergleichen widerumb vorlauffen möchtte, wurd darfur gehaltten, dz die evangelische augspurgischer confession chur- unnd fursten sich irer nit zuentschlagenn, sondern in solchen billichen sachen irer anzunemenn. Dan was an disem erhalttenn und durchgebracht, baldt an einem hohern auch vorsucht werden moge–s. Und weil sie in contributionen und andern furnemen puncten mehrtheills gutte bedencken haben, soltten diselben auch in acht genommen und, do es zuerhalttenn, tire vota pro numero civitatum, wie mit den abten und praelaten geschicht, der augspurgischen confessions verwandter stende suffragia damit so vil mehr zustercken, gerechnet werden–t.

13) Wurdt so woll dem Reich vorkleinerlich als auch sonnst fur ein gravamen gehaltten, dz man uber der supplicanten schrifften und clagen nicht decretiren, wie von alters beschehen unnd billich sein solle, sondern nur bedencken stellen dorffe, und diselben so bitlich, sorgsam unnd forchtsam, als hetten churfursten, fursten und stende bey solchen gemeinen Reichs vorsamblungen nichts zu decretiren, sondern muste alles in der ksl. Mt. hoffraths arbitrio und gevallen gesteltt sein. Wie dan in causa der graffen zu Stolberg unnd Ortenburg beschehenn, da ire Mt. durch den reichshoffrath der stenndt erkandnus durchaus endern unnd umbkeren lassenn31,u. vWan sich den befindet, dz in stellung und vorfassung solcher bedencken die mentzische canntzley mehrtheills schuldig, wurdt fur ein notturfft geachtet, dz kunfftig in allen rethen daruf achtung gegeben und in abhörung der concepten solche ding geandet und nach gelegenheit der sachen geendert werden–v.

14) Als sich auch sachen zutragen, in welchen a caesare male informato bisweilen ad eundem melius informandum et ad status Imperii appellirt, aber diselbige sache, wann es dannocht so weit kombt, allein im churfursten rath ventilirt wurdt, da sie doch billich von andern stenden auch beratschlagt und decernirt werden solttenn, wie uff dem Reichs tag anno 82 in causa der stadt Augspurg contra den Reichs marschalck geschehen, welche der ksl. Mt. heimbgeschobenn und darauff ein decretum ervolget, welches hernacher durch alle stennde protestando hinttertriben werden mussen32. So alles verbliben were, da die sach ordinarie verhandlet und decidirt worden. wItzo aber dise beschwerung noch weiter dazu kombt, dz dergleichen genottrengte appellationes und insinuationes derselben von dem ertzbischoffen unnd churfursten zu Mentz nicht angenommen noch zur expedition furgebracht werden wollen, wie in wenig jaren hero in etlichen fellen geschehenn. Als haben dannocht die stende augspurgischer confession in bedenckenn zu zihen, weill am meisten dergleichen sachen gegen iren mitt relligions verwanndten understanden werdenn, dz sie solche appellationes genottrengt an die hanndt nemen mussen, wie es dohin zubringenn, dz diselben nicht recht- unnd hulffloß gesteltt unnd gelassen, sondern die appellationes angenommen und den Reichs stenden furgebracht werden–w.

15) Fernner als in der königsteinischen sachen von churfursten, fursten und stenden dohin geschlossenn und ir Mt. dis bedencken eröffnet worden, dz cognitio causae, weill ir Mt. in derselben sachen interessirt, nicht vor ire Mt., sondern fur ksl. commissarios neben etlichen deputirten chur- und fursten zuzihenn, aber ire Mt. nochmalls per decreta dohin sich ercleret unnd Königstein aufferlegtt, vor irer Mt. als dem ordinario iudici ex lege diffamari zu procediren, solches auch Stolberg eingewilliget, und es also die stendt darbey bleiben lassenn33, und aber dergleichen dinge in kunfftigen sachen zu grosem praeiuditio gelangen mögen, xwie dan seithero albereit mit dem herren von Mechsellrein beschehenn–x,34, als wurdt fur eine hohe notturfft geachtet, darauf verdacht zu sein, dz nicht allein furbas in sachen, da ir Mt. interessirt, dergleichen einwilligungen nicht mehr furgehenn, dieweil es alttem gebrauch unnd herkommen zuwider, dz der stende einhelliges bedenckenn durch ksl. decreta auffgehaltten werden sollenn, es were dan sach, dz die partheyen selbst darein bewilligen, wie mit Königstein gescheheny, zsondern das auch ir Mt. zuerinnern unnd an die hanndt zugebenn, solche sachen, in welchen sie selbst interessirt, vermög der alten ordination dohin zu weisenn, dohin sie unnd nicht fur dero hoffrath gehörig–z.

16) aaIn der executions ordnung gehet diser mangell fur, dz den relligions vorwandten keine patenten gegeben, auch darzu vorhindert werden, Spanien aber alle willfarung und befurderung geschicht35; wie auch der furnembsten ligisten einer in Franckreich, der hertzog von Guiss36, patenten erlanngt. Und wollen die patenten dohin gedeutet werden, als ob nimand ohne derselbigen werben oder yemand zuziehen dorffte, nur damit den betrangten christen alle hulff entzogen werde. Welches sonderlich durch die pabstliche und spanische nuntios am ksl. hoff getriben wurdet, auch der babst selbsten in einem schreiben an ir Mt. sich dessen vernemmen lassenn. Welche gesuchte restriction und anders nimaln die stende einwilligen wollenn, sondern gegenn leistung der caution bey irer freyheit blibenn: Als haben sich die stende augspurgischer confession dessen bey disen puncten yetzo widermaln zuerinnern und zuzusehen, dz in solchem weittere verbindung vermitten bleibe, und ein mehrers zu irem und deren posteritet nachtheill nicht einwilligen oder selbsten umb ire freyheit bringen.

17) Wann auch am ksl. cammergericht von den stenden etwas in relligions sachen angebracht, werden allwegen paria gemachtt, unnd in anno 83 bey derselben visitation ein decret geferttiget, aus welchen[!] ervolgt, das nimmer keine process in relligions sachen erkendt werden37, also dz der relligion friden den stenden augspurgischer confession fast wenig furstenndig: Als hetten gleichwoll vermeltte stennde bey der tractation des puncten im justici wesenn dessen auch ingedenck zu sein und dohin zubearbeiten, das solcher defect verbessert werde, sinttemall in ertheilung der processen nicht uff die vota, sondern uff die constitution gesehen werden solle.

18) Als auch von hertzog Friderichen zu Wurttemberg und Teck bey der zusammenkunfft zu Haylbron den andern der endts zur stell gewesenen chur- unnd fursten ein bedencken in dem muntz wesenn ubergebenn38, solle dasselbe gleicher gestaltt uff kunfftigem Reichs tage bey tractation desselben puncten in acht genommen[werden]; wie dan die chur- und fursten deswegen iren rethen nottwendigen bevelch geben wollenn.

19) Man thutt sich auch insonderheit erinnern, was es bishero fur ein gelegenheit mit dem paß der geistlichen vorbehaltt im religion friden gehabtt und was uf vilen underschidlichen Reichs vorsamblungen desselben halben protestando unnd sonst gesucht worden; wie auch yetzo in der besondern vorzeichnus39 neben andern gravaminibus widerumb gesucht werden solle40. Und stehet gleichwoll zubedencken, da es also beharrlich forttgetriben werden soltte, das die chur- und furstlichen heuser, auch gräffliche und andere familien umb der relligion willen augspurgischer confession von den stifften ausgeschlossen werden solttenn, das man letzlichen frembde herrschafften ins vatterlanndt, wie albereitt vom babst geschicht, einzufuren understehen wurde. Welches vorangeregtten chur- und furstlichen heusern und andern familien nicht allein vorkleinerlichen, sondern auch ires christlichen glaubens bekandnus halben unleidenlich. Weiln dan von etlichen darfur gehalttenn, dz solcher paß im relligion friden nicht gar ausgemacht, unnd ein notturfft, deswegen den stenden augspurgischer confession in solchem auch vorsehunge geschehe, als stehet zubedencken, ob solches nicht bey der ksl. Mt. dergestalt zu suchen, das sie solchen paß allen stenden zubedencken ubergebenn, wie nemblich den augspurgischen confessions verwandten stenden in solchem auch zuhelffenn, damit desto besser vortrauen, fridt undt einichkeitt zwischen beederley relligions vorwandten stenden, daran die wollfartt des vatterlanndts gelegenn, gepflanzt und erhaltten werden möge.

20) Nachdem auch bewust, wesmasen bey weilandt kayser Carll des 5. regirung die verträg mit dem haus Burgundt, Osterreich unnd Lottringen, welche dem Heiligen Reich wenig nutzbar, erlangtt unnd ausgebracht41, solche heuser aber sich derselben zu irem vortheill woll wissenn zugebrauchen, soll mit andern geredt werden, ob es nicht dohin zubringen, das solche vertreg allen stenden, von neuem zuersehen und zubedencken, einmall undergegeben werden möchten, damit die daraus ervolgtte mengell und beschwerungen zu notirn und denen rath zuschaffenn. Also were zugleich auch bey disem puncten zubedencken, weiln zu mehrmaln furkommen, wie des Reichs originalia außer dem Reich in Hispanien oder anderst wohin vor der zeit gefurtt worden, wie die ksl. Mt. zuerinnern unnd zuersuchen, diselbige wider zur hannd zubringen.

21) Dieweiln auch darfur gehaltten, das graff Jochim[!] zu Orttenburg seiner lang und vil jar ausgestanndenner beschwerung halber bey yetziger Reichs vorsamblung wider umb intercession anhaltten werde42, wurdt vor billich erachtet, dz ime billiche hulff nit zuvorsagenn, sonder, zu dem er befugt, zubefurdern. Wie dan auch sonsten andern in iren anbringenden beschwerungen billich geschehen solle etc.–aa

Anmerkungen

1
 Nachweise mit Inhaltsreferat und Hinweisen zur Genese: Leeb, RTA RV 1582, Nr. 335 S. 1191 f., Anm. 4.
2
 Vgl. folgende Ausweisung nur der bedeutenderen Modifizierungen im Kommentar. Textvorlage für die Fassung von 1582 ist die Kop. aus den RTA 1582 in HStA München, K. blau 112/1 I, fol. 421–429’ (Kop. Dorsv.: Anno 82 in comitiis colligirte religions gravamina unnd anderß.).
3
 Vgl. Einleitung, Kap. 3.2.2 mit Anm. 232.
4
 Mehrere Punkte der Beschwerden wurden unmittelbar nach dem RT 1594 vom Gesandten Mgf. Ernst Friedrichs von Baden-Durlach, Johann Ulrich Burrus, im Hinblick auf das Verfahren aktuell beim RT aufgegriffen. Die wesentlichen Gravamina werden im Folgenden im Kommentar dokumentiert. Nachweis: GLA Karlsruhe, Abt. 50 Fasz. 173, unfol. (eigenhd. Konz.).
a
 werden] Fassung 1582 (Anm. 2) danach zusätzlich vor Punkt 1): /421/ Dieweil uf dießem wehrendem reichstag allerhandt untragliche beschwerdten sich zugetragen, welchen sowol ins gemein allen deß Heiligen Reichs als auch und insonderheit den stenden augspurgischer confession begegnet, ist für nottig geachtet worden, dieselben kurzlich zuverzeichnen unnd den furstlichen, auch stettischen abgesandten mittzuteilen, damit dieselb ihren herrn und obern fürbracht und auf mittel unnd weg gedacht werde, wie dieselb abzuschaffen unnd zuvorkommen.
5
 Gravamina Burrus (wie Anm. 4): Beim RT 1594 saßen für Österreich und Salzburg als alternierende Direktoren jeweils 3–4 Personen am prothocollir tisch. Um auch die weltliche Bank zu repräsentieren, saßen dort zusätzlich für Bayern 2–3 Personen. Österreich und Salzburg stellten unmittelbar nach einer Umfrage die Mehrheit fest. Werden also die vota allain under inen heimlich und still numerirt, dz mherer gemeiniglich durchaus uff der papisten seiten gerichtet und also usgesprochen, aber wenig ponderirt.Daneben verzögerten die Direktoren bei Punkten, in denen die evangelischen Stände überstimmt werden sollten, die Sitzungseröffnung im FR, wenn noch katholische Stände abwesend waren, hingegen eröffneten sie diese, obwohl noch nicht alle evangelischen Gesandten erschienen waren. Da die Protokollführung nur katholischen Ständen oblag, sollten künftig zusätzlich entsprechend viele evangelische Stände zum Protokoll zugelassen, die ertheilte vota gegen einander und allerdings gepurliche gleichheit gehalten werden.Verweigern dies die katholischen Stände bei einem künftigen RT, sollten die evangelischen Ff. unter Protest auf ihre Session verzichten. Daneben ist schon bei diesem RT [1594] davon gesprochen worden [Nr. 215, Abschnitt B, 2. Umfrage], dz sich des täglichen uberstimens halben die evangelische von den papisten absondern, ir bedenckhen uff jeden puncten fassen, alsdan in pleno referiren und, die papisten dz irige zuschaffen, vast rhatsamer were(vgl. auch Anm. 12).
b
–b bey … zugetragenn] Fassung 1582 (Anm. 2): /421’/ auf dießem reichstag zugetragen unnd ohne zweivel hiebevor mehr beschehen.
6
 Vgl. Leeb, RTA RV 1582, Nr. 81 S. 501 f. mit Anm. 3; Nr. 82 S. 502–504; Nr. 91 S. 547 f. mit Anm. d.
7
 Vgl. Leeb, RTA RV 1582, Nr. 78 S. 492 mit Anm. g; Nr. 86 S. 527 mit Anm. 7.
8
 Das FR-Protokoll des RT 1582 verzeichnet keine diesbezügliche Andeutung gegenüber Österreich.
9
 Gravamina Burrus (wie Anm. 4): Beim RT wurde mit Hans Ludwig von Ulm ein Mitglied des RHR zur Führung des Protokolls im FR abgeordnet. Dies geschah wohl nur, damit die ksl. Mt. sonderlich der evangelischen fursten vota, ob die gut osterreichisch oder nit, taglich wissen mögen.Zudem: J. A. Illsung beanspruchte in der ersten Sitzung des FR 3 Voten für das Haus Österreich [Nr. 56, letzter Absatz]. Da kein Widerspruch erfolgte, blieb es dabei; und wan einer under inen votirt, drei gleichmessiger vota uffgeschriben worden, und in alweg, sonderlich in puncto contributionis gantz beschwerlich, weil Osterreich angezogene underschidliche herschafften nit von dem Reich zu lehen empfahen und ohne dz mit dem Reich wenig zuthun noch desselben constitutionen underwurffig sein […] will.
10
 Vgl. zu diesem Punkt: Schulze, Decision, 51 f. Der in diesem Punkt und in den Beschwerden generell angesprochenen Verfahrenskritik entspricht die Schlussfolgerung bei Haug-Moritz, Einungswesen, hier 208: Die im frühneuzeitlichen Reich anwachsende politische Reichweite des konfessionellen Dissenses „artikulierte und realisierte sich nicht als Infragestellung des Reiches als politischen Handlungsrahmens und des Rechtes als Mittel des Konfliktaustrags, sondern als Verfahrensdissens, der die institutionelle Ordnung zur Disposition stellte, die den Kaiser und die katholische Majorität der […] Reichsstände begünstigte“.
11
 = daher rührt, daher kommt.
12
 Vgl. dagegen den Lösungsvorschlag in den Gravamina Burrus (wie Anm. 4): Da die katholische Mehrheit im FR und damit dessen Beschluss im Voraus feststehen, ist nicht erforderlich, dass die evangelischen Ff. mit hohen Kosten an RTT teilnehmen. Deshalb: Wenngleich das alte Herkommen nicht unbegründet angetastet werden soll, ist in diesem Fall unumgänglich, dass dies uff gepurende maß gerichtet werde. Und were meines ringfuegen erachtens khein bequemer mittel, dan dz die evangelische und pabstische fursten jeder theil besondern rhat hielten, die proponirte puncten ponderirten und, wan von jedem theil geschlossen, alsdan in pleno referirten, daselbsten dan erst in praesentia der churfursten der gantz Reichs schluß volget(vgl. auch Anm. 5). Doch ist zu klären, wer in diesem evangelischen fursten rhatdas Direktorium führt. Und weil sonder zweiffel Pfaltz sich desselben nit begeben wurdet, were rhatsam, dz von den andern fursten, je nachdem sy die session haben, von einem reichßtag uff den andern denselben einer beigesetzt wurde.
c
–c Wie … absolvirt] Fehlt in Fassung 1582 (Anm. 2).
d
 möchte] Fassung 1582 (Anm. 2): zusätzlich: /422/ und unnottig wer, den reichstag mit grossem uncosten zubesuchen, [da].
e
–e Dan … gemacht] Fehlt in Fassung 1582 (Anm. 2).
f
–f wie … kan] Fehlt in Fassung 1582 (Anm. 2).
13
 Vgl. Gravamina Burrus (wie Anm. 4): Vor dem Korreferat mit KR sollte der katholische Mehrheitsbeschluss im FR zuvor abgelesen und, ob solches der gemein schluß, abgefragt werden. So wirt aber solches underlassen und bisweilen mit dem ungeburlichen uberstimen seltzam gehandlet. […]. Zu dem allein numerus votorum, die doch nit eröffnet werden, saniora iudicia aber gar nit beigesetzt werden. […]. Derwegen dan auch solches nit unzeitlich zuverbessern, dz gleich wie im chur-, also auch im fursten rhat dz concept zuvorderst abgelesen, der evangelischen stende meinung und fundirte motiven, welche dem mherern nit beigefallen, zugleich auch referirt werden. Daruff sich alsdan die ksl. Mt. mit gemeinen stenden non ex numero et pluralitate votorum, sed rationibus zuvergleichen und entlichen zuschliessen.
g
 bemelttem nechst verschinem] Fassung 1582 (Anm. 2) hier und im Folgenden bei entsprechenden Bezugnahmen: /423/ dießem.
14
 Resolution der CA-Stände des FR zu den Städtegravamina 1582 (Leeb, RTA RV 1582, Nr. 255 S. 974–980).
15
 Leeb, RTA RV 1582, Nr. 443 S. 1392, 1394 (Beratungen im FR).
16
 Vgl. auch Gravamina Burrus (wie Anm. 4): Österreich beharrte beim RT auf der Beteiligung an einem aus 6 Kreisen gebildeten Ausschuss [Nr. 69, Nr. 73, 74, 76], um dadurch die gleichheit beeder religions verwandten stenden zuverhindern, so doch darfur zuhalten, ob ire Dlt. woll dz directorium zu haben vermeint, dz derselben doch weder session noch votum gebure.
17
 Bezugnahme auf die Besetzung des RDT gemäß RAbb 1555 und 1570. Vgl. Anm. 18 bei Nr. 39.
h
–h so … einwilligen] Fassung 1582 (Anm. 2): /423’/ Unnd dieweil auf itzt eingewilligten deputation tag anno 83 man sich uberstimmens und geferlicher praejudicial erklerung und constitutionen in relligion sachen und ‑frieden zu befahren, haben die deputierten, so der augspurgischen confession sein, wol in acht zu nemen, dz sie nichts einwilligen.
i
 jungster deputation] Fassung 1582 (Anm. 2): /424/ itzt vorstehendem deputation tag.
18
 = RDT 1586 (Fröschl, RTA RV 1586).
19
 Zur grundsätzlichen Exemtion Österreichs von der Rechtsprechung des RKG, beruhend auf Privilegien seit dem Mittelalter, vgl. Sellert, Zuständigkeitsabgrenzung, 22–29, 35–38; Weitzel, Minderungen, 317–320 (Lit.). Exemtion Burgunds seit 1548: Anm. 19 bei Nr. 80.
20
 Leeb, RTA RV 1582, Nr. 453 S. 1402 f.; vgl. auch die aktuelle Supplikation [Nr. 505].
j
–j Da … stellen] Fehlt in Fassung 1582 (Anm. 2).
21
 Beim RT 1582 damit Bezugnahme auf die Eingabe der Delegierten des protestantischen Aachener Rates an KR und FR, die am 3. 8. 1582 bei der Mainzer Kanzlei eingereicht, von dieser aber im RR nicht vorgelegt wurde (Leeb, RTA RV 1582, Nr. 278 S. 1038–1041, mit Anm. 1).
k
–k Ist … zuliffern] Fehlt in Fassung 1582 (Anm. 2). Dort zusätzlich: /424’/ Man fehret auch den leuten und abgesandten ubers maul unnd tröet ihnen zu dem ende, dz sie nit reden sollen, wz sie in bevelch von ihren herrn haben; da doch darbeneben fürgeben würdt, man seie nit bedacht, jhemand maß und ordnung zugeben, wz einer votiren soll. Also dz die vota in libero Imperio nit libera sein.
l
–l die … köntten] Fassung 1582 (Anm. 2): /424’/ die man gern befürdert gesehen und darauf sich die abgesandten in eil nit bedencken konnen, dieselb die genante catholici desto eher durchtrucken mögen.
22
 Vgl. Gravamina Burrus (wie Anm. 4): Da Österreich, Salzburg und anderen führenden katholischen Ständen, denen die andern in iren liederlichen votis mit einem wort, alß „wie Saltzburg“, „wie Österreich“ oder „wie Bayern“ volgen, jederzeit bewust, wz des andern rhats tag tractirt werden solle, auch darfur zuhalten, dz bisweilen der beschluß vor der proposition gefast, die evangelische desselben aber einiche wissenschafft nit haben, were es dahin zurichten,dass die Direktion am Ende einer Sitzung die Thematik der nächsten Zusammenkunft bekannt gibt.
23
 Vgl. Gravamina Burrus (wie Anm. 4) zum allgemeinen Verfahren beim RT 1594: Zwar wurden viele Supplikationen übergeben, doch kann man bei der Mainzer Kanzlei, wie solches vilfaltig geclagt worden, zu kheiner volkhumenlichen communication khumen. So doch solches alles von den meintzischen verordneten gemeinen stenden andictirt und im wenigsten nichts verschlagen werden solle.
m
–m und … werden] Fehlt in Fassung 1582 (Anm. 2). Verhandlungsdauer des Supplikationsrats dort an anderer Stelle enthalten.
n
 dass der Supplikationsrat] Fehlt auch in B und C.
o
–o der … mussen] Fassung 1582 (Anm. 2): /425/ der türck nur zum schein fürgewendet.
24
 Bezugnahme auf die Bitte des Ks. um eine Sonderhilfe für die Amtsführung beim RT 1582 (Leeb, RTA RV 1582, Nr. 233 S. 898–901).
25
 Bezugnahme auf die Bitten Ehg. Karls sowie der Verordneten der innerösterreichischen Landstände beim RT 1582 (Leeb, RTA RV 1582, Nr. 190 S. 760–765, Nr. 192 S. 767–769).
p
–p Und … favorisirn] Fehlt in Fassung 1582 (Anm. 2).
26
 = Restanten an Türkensteuern.
27
 Vgl. auch Gravamina Burrus (wie Anm. 4): Man vermerckt auch sovil, dz, welche in iren votis (welche doch libera sein sollen) sonderlich in puncto contributionis nit, wie es die keiserische und osterreichische gern sehen, votiren, dz dieselbige notirt und ire gn. herrschafften dasselbige etwan entgelten mussen.
28
 Leeb, RTA RV 1582, Nr. 249 S. 946–948, Nr. 256 f. S. 980–983, Nr. 259 S. 988–990, Nr. 261 S. 993–999.
q
–q und … moge] Fehlt in Fassung 1582 (Anm. 2).
29
 Vgl. Einleitung, Kap. 2.2.
30
 Vgl. die Akten zu den Städtegravamina beim RT 1582 (Leeb, RTA RV 1582, Nr. 247–271 S. 939–1023).
r
 zuhandlen] Fassung 1582 (Anm. 2) zusätzlich: /425’/ Item die jhenigen, so stracks wieder den relligion- unnd landtfrieden mit uberziehung und versperrung der commercien[handeln], lobet und verteidiget man. Die unschuldigen aber, so ihre nott klagen, will man straffen, auch den Reichs stedten nit gestatten, /426/ ihre beschwerdten ob den Reichs tagen zu clagen, welchs doch allen stenden und so gar den privatis erlaubt ist. Item die städt haben dißen reichstag uber all ihr vielfelttig anhaltten bei den hohern stenden keine erledigung ihrer beschwerdten erlangt.
s
–s Wan … moge] Fehlt in Fassung 1582 (Anm. 2).
t
–t ire … werden] Fassung 1582 (Anm. 2): /426’/ pro numero civitatum ihre vota gerechnet würden, damit sie in relligions- unnd contributions sachen dz mehrer machen, unnd als die mehrern teils der augspurgischen confession zugethan seindt, der chur- und fürsten und stendt derselben relligion sententias et suffragia mit ihren votis und ihrem beyfall durchtrucken mögen.
31
 Leeb, RTA RV 1582, Nr. 414 S. 1361–1368, bes. 1367 f.; Nr. 443 S. 1389–1394, bes. 1393 f.
u
 lassenn] Fassung 1582 (Anm. 2) zusätzlich: /426/ So ist auch zumal beschwerlich unnd dem gantzen Reich schimpflich, dz publica ordinum decreta /426’/ kein execution erlangen, wie mit Orttenburg beschehen ist unnd noch beschicht.
v
–v Wan … werden] Fehlt in Fassung 1582 (Anm. 2).
32
Leeb, RTA RV 1582, Nr. 254 S. 973, Nr. 302 S. 1098 f., Nr. 304–308 S. 1100–1111.
w
–w Itzo … werden] Fehlt in Fassung 1582 (Anm. 2).
33
 Leeb, RTA RV 1582, Nr. 443 S. 1393 (Ständeresolution vom 26. 8. 1582; Dekret des Ks. vom 1. 9. 1582).
x
–x wie … beschehenn] Fehlt in Fassung 1582 (Anm. 2).
34
 Vgl. die Supplikation beim RT [Nr. 464].
y
 geschehen] Fassung 1582 (Anm. 2) zusätzlich: /428/ Uber dz ist es unleidenlich und den stenden augspurgischer confession verderblich, wan etwz durch alle stende decretirt unnd für billig erkant, so sie antrifft, und es zur execution kompt, dz dieselben hernacher nit erlanget werden kan, sondern uber alles erinnern, ermahnen unnd begern und anhaltten durch neue commissiones, verhör und aufzuge eludirt unnd die beschwerthen am creutz hangen bleiben unnd verderben müssen, wie mit Ortenburg beschehen.
z
–z sondern … gehörig] Fehlt in Fassung 1582 (Anm. 2).
aa
–aa In … solle etc.[Ende des Stücks] Fehlt in Fassung 1582 (Anm. 2). Dort zusätzlich enthalten [für vorliegende Fassung 1594 gestrichen]: /426’/ Unnd demnach bißher die erfahrung geben, dz /427/ man vast auf allen bevorstehenden reichstägen wie auch itzigem dahin gesehen, wie man zuvorderst denn punctum contributionis erledigen und, wan dieselbig eingewilliget, als dan die uberigen puncten sonderlich von der iusticia wenig anrürt oder gar verschiebt, da doch dem Heiligen Reich am meisten daran gelegen, auch den beschwerthen unnd gravirten personen nit hülfft, sondern sie am creutz hangen läst, so solte billig denselben sachen zuvorderst abgeholffen werden, ehe unnd zuvor man in contributiones einwilligte; es were dan sach, dz die augenscheinliche nott verhanden./427 f./ Beschwerde gegen die Einschränkung der Privilegien gegen die Jurisdiktion des Rottweiler Hofgerichts (vgl. Nr. 387, Punkt 12). [….] /428/ Also würt auch itzo dieße neuerung gesucht, wan zu abhorung deß abschiedts ettliche depudtirt, dz Osterreich und Saltzburg in dieselbige proprio iure wollen unter dem schein, dz sie referenten, sich /428’/ eintringen, unnd die einmal darzu gezogen, gleich als perpetuirt geacht werden wollen. Letzlich weil auf dießem reichstag gespürt worden, dz die genante catholische für unnd für votirens sich bei dem bäpstischen nuncio[Rat] erholet unnd ohne zweivel alles nach deß babsts willen dirigirt, unnd menniglich bewust ist, wz solche nuncii in allen konigreichen unnd landen für ubels (dem bapst zu gutem) angericht, were auf weg zu gedencken, wie man auf Reichs- unnd andern versamblungs tägen solcher nuncien uberhaben sein möcht.
35
 Zur Praxis der spanischen Truppenwerbungen im Reich vgl. Edelmayer, Söldner, 225–264; Unterstützung spanischer und lothringischer Werbungen durch den Ks.: Loebl, Reichshilfe, 20–23.
36
 Hg. Heinrich von Guise (Henri I. de Lorraine). Vgl. Ritter, Geschichte II, 9 f., 36 f. Zu den französischen Werbungen im Reich insgesamt: Beiderbeck, Religionskrieg, 126–143.
37
 Dekret vom 15. 5. 1583: Suspendierung bis zur Entscheidung des RDT (Ludolff, CJC, 397).
38
 Gutachten des Dr. Georg Gadner (22. 3. {12. 3.} 1594) zum Reichsmünzwesen im Hinblick auf dessen Beratung beim RT (auch Beilage B zur Württemberger RT-Instruktion): HStA Stuttgart, A 262 Bd. 70, fol. 357–362’. Or. Druck: Hirsch, Münz-Archiv III, Nr. X S. 28–31; Sattler, Geschichte V, Beilage Nr. 30 S. 97–101. Referiert bei Häberlin XVII, 607–615. Knappe Auswertung: Reichmann, Gestaltung, 158 f.
39
 = die in Heilbronn als Beilage A zum Abschied beschlossenen Gravamina [Nr. 387, „Fassung Heilbronn“], Punkt 6 mit Anm. ai.
40
 Vgl. Gravamina Burrus (wie Anm. 4): Feststellung, beim RT [1594] sei zwar vom Ks. die Klärung der Gravamina gefordert worden, doch habe man schlechten ernst vermerckt, dan den papisten dieselbige, ir verwantwurtung daruff zuthun, also baldt zugestelt. Daruff sy ir einreden und gegen gravamina stellen lassen, welche doch gleich zu endt des Reichß tags in die churfurstliche pfaltzische cantzlei uberreicht worden.Deshalb sollte man künftig zu Beginn eines RT oder RDT erklären, wa denselben nit zuvorderst gepurende mass gegeben, man sich in den proponirten puncten nit einlassen noch dieselbige decidiren wolte, und solches unanimiter.
41
 Bezugnahme auf den Burgundischen Vertrag 1548 (vgl. Anm. 15 bei Nr. 59) sowie für Lothringen auf den Nürnberger Vertrag 1542 (Fitte, Verhältnis, 27–30; Sellert, Zuständigkeitsabgrenzung, 40–44; Mohr, Geschichte IV, 162–164); für Österreich fragliche Bezugnahme auf die Exemtion von der Jurisdiktion des RKG, zuletzt von Ks. Karl V. 1530 bestätigt (Sellert, Zuständigkeitsabgrenzung, 23 f.; vgl. auch oben, Anm. 19); zum Verhältnis des Österreichischen Kreises zum Reich seit dem RT 1555, bes. im Hinblick auf die EO und die Leistung der Kreishilfe: Mally, Kreis, 30–45; Dotzauer, Reichskreise, 384–386. Zur Sonderstellung der 3 Territorien mit den angesprochenen Verträgen: Weitzel, Minderungen, 317–320.
42
 Vgl. die Supplikation [Nr. 473].